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Wasserkraft mitten in Luzern

20.07.2017

Strom

Wasser fliesst, erzeugt Energie, erfrischt und beruhigt. Seit jeher prägt dieses Element die Wasserstadt Luzern. Am Mühlenplatz standen bereits im Mittelalter Mühlen, welche durch die Kraft des Wassers angetrieben wurden. Heute wird die Wasserkraft zur Energieproduktion genutzt. Davon profitieren jedes Jahr rund 1'000 Luzerner Haushalte.

Die Geschichte des Mühlenplatzes reicht weit zurück. Im Jahre 1278 wurden die Mühlen erstmals urkundlich erwähnt. Schon damals brachte die Kraft der Reuss die Wasserräder in Bewegung und betrieb so die städtischen Münzwerke, die Poliermühle, die Schleife oder auch die Pulver- und Gewürzstampfe.

Regulieren des Seespiegels

Nach der Einführung der Dampfschiffgesellschaft 1837 häuften sich Klagen wegen des Wasserstandes. Denn bei sehr tiefem Wasserstand können die Schiffe auf dem See nicht mehr verkehren. Um den Seespiegelstand zu regulieren, wurde Mitte des neunzehnten Jahrhunderts das Nadelwehr gebaut. Seither sorgt es dafür, dass der Seespiegel nicht zu tief absinkt oder verhindert durch das vollständige Öffnen des Wehrs Überschwemmungen bei hohem Wasserstand.

Nach über siebzig Jahren im Einsatz wurde das Wehr 2009 unter Einhaltung von denkmalpflegerischen und städtebaulichen Aspekten umgebaut. Seither werden die Nadeln des Seitenwehrs nicht mehr von Hand, sondern von einem Nadelsetzgerät bedient. Die Nadeln des Stirnwehrs werden noch heute von Hand gezogen und gesetzt. Die Vorgaben für den Betrieb des Wehrs und des Kraftwerkes werden mittels eines Computerprogrammes des Kantons Luzern berechnet und vorgegeben.

Energie im Fluss

Im Jahre 1887 entstand über der Reuss ein Gebäude für das Kleingewerbe mit eingebautem Wasserkraftwerk. Die notwendige Energie wurde von drei Jonval-Turbinen erzeugt. Mittels einem Riemengetriebe (Transmission) wurden die verschiedenen mechanischen Geräte angetrieben. Über hundert Meister, Arbeiter und Lehrlinge fanden im Gewerbehaus ihr Auskommen. Nach 45-jährigem Bestehen zerstörte 1932 ein Grossfeuer das Gewerbehaus. Das Kraftwerk blieb bestehen, wurde jedoch mit einem Generator ausgerüstet und lieferte bis 1977 Strom an das städtische Netz. Danach musste es infolge seines Alters und den vielen Unterhaltsarbeiten ausser Betrieb genommen werden.

Nach längeren Planungsarbeiten konnte 1998 das heutige Kraftwerk in Betrieb genommen werden. Zwei Kaplan-Turbinen sorgen seither dafür, dass beim Durchfluss des Wassers das Laufrad in Bewegung versetzt wird. Der Unterschied zur Mühle besteht darin, dass die Turbinen kein Mahlwerk, sondern Generatoren antreiben, welche die Kraft des Wassers in elektrische Energie umwandeln. 

Das Wasserkraftwerk am Mühlenplatz ist ein typisches Laufkraftwerk. Diese befinden sich meist an Flüssen. Die natürliche Fallhöhe des Flusswassers wird gesteigert, indem es vor dem Kraftwerk durch eine Stufe gestaut und erst dann auf die Turbinen geleitet wird. Das Nadelwehr erzeugt ein nutzbares Wassergefälle von 0.4 bis 2.0 Metern. Auf jede Turbine werden pro Sekunde maximal 29 Kubikmeter Wasser geleitet. 

Entscheidend für die Leistung des Kraftwerks ist die Wassermenge sowie das Gefälle zwischen Ein- und Auslauf. Aufgrund des nahezu geschlossenen Nadelwehrs im Winter, ist die Energieproduktion im Winter höher als im Sommer. Nahezu die Hälfte der Jahresproduktion fällt deshalb im Winter an. Jährlich produziert das Kleinwasserkraftwerk Mühlenplatz rund 2'400'000 Kilowattstunden Strom und versorgt so zirka 1'000 Luzerner Haushalte mit Luzerner Wasserstrom.

Einlaufrechen sammelt Kuriositäten

Das Wasser des Vierwaldstättersees und der Reuss fliesst konstant und trägt diversen Abfall mit sich. Dieser sammelt sich im Einlaufrechen des Kraftwerks. Mit Hilfe einer Rechenreinigungsmaschine wird der Einlaufrechen einmal täglich von Hand gereinigt. Schon skurrile Gegenstände, wie beispielsweise ein Toi Toi (mobiles Toiletten Häusschen) oder kleinere Fasnachtswagen wurden im Rechen gefunden. Etwas Bekanntheit erlangte der Einlaufrechen am Mühlenplatz durch den ersten Tatort-Dreh in Luzern. Damals wurde im Einlaufrechen am Mühlenplatz eine Leiche angespült.

Treppe hilft Fischen aufzusteigen

Es gibt Fischarten, die zum Leben sowohl fliessendes wie auch stehendes Wasser benötigen. Wehranlagen und Turbinen unterbrechen die natürliche Wanderung dieser Fische zwischen der Reuss und dem See. Aus diesem Grund führt eine Fischtreppe rund um das Nadelwehr und das Kraftwerk. Sie ermöglicht es den Fischen, das technische Hindernis zu überwinden und vernetzt die Ökologie zwischen Vierwaldstättersee und Reuss.

Eine dieser Fischarten ist die Seeforelle. Sie verlässt im Herbst den Vierwaldstättersee, um sich im November und Dezember in der Reuss fortzupflanzen. An kiesigen Stellen deponieren sie ihren Laich und kehren nach der Eiablage wieder in den See zurück. Die jungen Seeforellen bleiben ein bis zwei Jahre in der Reuss, um dann in den See aufzusteigen. Drei Jahre später kehren auch sie als fortpflanzungsfähige Elterntiere in die Reuss zurück. Der Lebenskreis schliesst sich damit.

Umweltfreundlicher Strom

Im April 2012 wurde das Wasserkraftwerk Mühlenplatz mit dem Qualitätslabel naturemade star zertifiziert. Dieses steht für die Einhaltung höchster ökologischer Anforderungen für Strom aus 100 Prozent erneuerbaren Energiequellen. Im April 2017 hat die erfolgreiche Rezertifizierung stattgefunden, welche alle fünf Jahre durchgeführt wird.

Spannende Einblicke

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