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Hallo Biber

Wenn der Frühling kommt, wandern junge Biber flussaufwärts auf der Suche nach einem eigenen Revier. Beim Kleinwasserkraftwerk Mühlenplatz wurde dafür eine neue Biberrampe gebaut.

TEXT: Deborah Burri | FOTOS: Pro Natura, Petra Arnold | 12.03.2020

Ein augenfälliges Geschöpf ist dieser Biber, mit seinen grossen Schneidezähnen, dem kellenartigen Biberschwanz und dem äusserst dichten Fell. Man stelle sich vor, pro Quadratzentimeter Biberrücken wachsen 12'000 Haare, auf dem Bauch sogar doppelt so viele! Herr und Frau Biber’s Pelzmantel hat aber durchaus seinen Zweck zu erfüllen. Haare und Unterwolle sind nämlich so angeordnet, dass sich zwischen ihnen beim Abtauchen eine feine Luftschicht bildet, welche als Wärmeisolation dient. Ausserdem sorgt sie dafür, dass die Haut schön trocken bleibt.

Und auch seine anderen Erkennungsmerkmale hat der Biber nicht einfach für lustig. Der breite und abgeflachte Biberschwanz, mit hornartigen Hautplättchen versetzt, ist sozusagen ein Alleskönner. Beim Schwimmen oder Treiben im Wasser sorgt er für Antrieb, Steuerung und Balance. An Land kann sich der Biber damit abstützen. Und lauert Gefahr, werden die anderen Familienmitglieder gewarnt, indem mit dem Biberschwanz laut auf das Wasser geklatscht wird.


Der Biber baut sich sein Heim selber

Die markanten Schneidezähne sind sein Markenzeichen. Sie wachsen ein Leben lang und machen den Biber zu einem ausgezeichneten Holzfäller. Dies kommt ihm besonders im Winter zugute, da sich der Vegetarier in dieser Jahreszeit am liebsten von Rinde und Knospen ernährt. Auch hält der Biber keinen Winterschlaf, sondern legt sich vorsorglich seine Wintervorräte aus Ästen an.

Seinen Vorrat sammelt er unter Wasser vor dem Eingang zu seinem Bau. Der Biberbau ist das Herzstück eines Reviers und bietet der Familie Schutz vor Hitze und Kälte, aber auch vor Feinden für die Jungtiere wie Fuchs oder Dachs. In diesem Unterschlupf schläft die ganze Familie und junge Biber wachsen darin auf. Rund um ihren Bau beansprucht jede Biberfamilie ihr Gebiet. Dieses Revier markiert der kleine Nager mit dem sogenannten «Bibergeil», das in den Afterdrüsen produziert wird.


Im Frühling, ab zirka Ende April, kommen kleine Biber auf die Welt. Für den Nachwuchs vom vorletzten Jahr heisst das, dass sie aus dem Bau ausziehen und sich ein eigenes Revier suchen müssen. Die jugendlichen Biber machen sich auf den Weg und schwimmen flussaufwärts, bis sie auf ein geeignetes Revier stossen, das sie dann neu besiedeln. Oder sie gesellen sich zu einem einzelnen Bibermännchen oder Biberweibchen, welches schon ein eigenes Revier besetzt.


Neue Biberrampe für Luzerner Biber

Auch in der Reuss sind einige Biber zu Hause und deren Nachwuchs wird sich diesen Frühling auf die Wanderung flussaufwärts machen. Dabei können die Nagetiere aber auf ein Hindernis stossen: beim Reusswehr und Kleinwasserkraftwerk Mühlenplatz in Luzern, in welchem ewl ökologischen Wasserstrom produziert. Notgedrungen umgehen sie dieses an Land, was mit vielen Risiken verbunden sein kann.


Pro Natura Luzern und die Dienststelle Landwirtschaft und Wald haben deshalb die Idee einer Biberrampe ins Leben gerufen. Dabei handelt es sich um eine Holzrampe, welche dem Biber den Ausstieg aus dem Gewässer und den Wiedereinstieg oberhalb des Hindernisses ermöglicht. Miriam Peretti von Pro Natura Luzern freut sich:


«Der Biber kann nun die Hindernisse beim Mühlenplatz überwinden und bisher unbesiedelte Regionen gefahrlos erreichen.»

Finanziert wird die Biberrampe aus dem ewl Ökofonds, der Aktion «Biber & Co Zentralschweiz» von Pro Natura sowie der Fachstelle Umweltschutz der Stadt Luzern. Für den Anfang wird eine Fotofalle die Bewegungen auf der Holzrampe aufzeichnen. So wissen wir, wann ein Biber die Rampe überquert hat und ob wir vielleicht bald in der Nähe von Luzern auf ein neues Biberrevier stossen. Weitere Infos zum kleinen Holzfäller finden Sie hier.


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