29.01.2026 | Aktualisiert am 30.01.2026 | Lesezeit: 5min
Eiszentrum fit für die Zukunft – dank See-Energie und Photovoltaik
Das Regionale Eiszentrum Luzern ist ein Ort voller Energie – im doppelten Sinn. Wo täglich hunderte Menschen ihre Runden drehen, trainieren oder Wettkämpfe bestreiten, ist auch der Energiebedarf sehr gross. Um das Eiszentrum fit für die Zukunft zu machen, hat ewl die gesamte Energieversorgung neu geplant. Entstanden ist eine der grössten Photovoltaikanlagen in unserem Versorgungsgebiet sowie eine Premiere in der Wärmeversorgung.
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Text, Fotos und Video
Fabian Kreienbühl Medienverantwortlicher für Wärme, Windprojekt Schwarzenberg, Energieberatung
Inhalt
Viel Kälte für das Eis – viel Wärme für den Innenbereich: Ein Eiszentrum braucht viel Energie. Dies sei auch beim Regionalen Eiszentrum Luzern nicht anders, sagt Alex Roos, Leiter Betrieb und Anlagen: «Die gesamte Infrastruktur, die es für die Energieversorgung braucht, ist komplex und teuer.» Damit der Betrieb effizienter wird, hat ewl zusammen mit dem Eiszentrum eine neue Lösung zur Wärme- und Stromversorgung entwickelt.
Wärme aus dem See und aus der Eisproduktion
Ein grosser Teil der Wärme, die das Eiszentrum seit neuem versorgt, stammt aus dem Vierwaldstättersee. Die Wärme wird von der See-Energie-Zentrale Inseliquai über ein Leitungsnetz in die neue Gebäudezentrale beim Eiszentrum gebracht. Das Herzstück dieser Zentrale ist eine Wärmepumpe. Diese hebt die Temperatur so weit an, dass sie sich fürs Heizen, für Warmwasser und für die Lüftungsanlagen eignet. «Zusätzlich nutzen wir auch die Abwärme, die beim Kühlen des Eises entsteht», sagt Mike Licini, Projektleiter Wärmetechnik bei ewl. Früher ging diese Wärme verloren, heute wird sie clever weiterverwendet. «Dabei haben wir zum ersten Mal eine Wärmepumpe installiert, die das natürliche Kältemittel Propan enthält. Dies ist ein weiterer Meilenstein in der Wärmeversorgung von ewl», ergänzt Licini. Propan gilt im Vergleich zu den bisher üblichen synthetischen Kältemitteln als deutlich effizienter, erlaubt höhere Vorlauftemperaturen und ist umweltfreundlicher.
Grosser Warmwasserspeicher
Neben der Propan-Wärmepumpe spielt in der neuen Lösung auch ein grosser Warmwasserspeicher eine wichtige Rolle. Die besonders heisse Abwärme aus der Eisproduktion fliesst direkt in den Speicher hinein und steht sofort zur Verfügung. «Für uns ist das ein grosser Vorteil hinsichtlich Effizienz und Nachhaltigkeit. Wir gehen damit weg von der reinen Gasheizung und können die entstehende Abwärme nun selbst weiterverwenden», sagt Alex Roos vom Eiszentrum. Bis zu 60 Prozent der anfallenden Abwärme könne so direkt genutzt werden. Einzig für Spitzenzeiten und falls die Hauptsysteme einmal ausfallen sollten, kommt nach wie vor ein Gasheizkessel zum Einsatz.
Wirkung über das Eiszentrum hinaus
Die Entwicklung dieser neuen Wärmeversorgung begann bereits vor zwei Jahren. Im Winter 2024/25 hat ewl die nötigen Leitungen gebaut, danach wurde die Zentrale realisiert und ausgerüstet. Eine der grössten Herausforderungen war der Platz. «Deshalb mussten wir zum Beispiel auch einen Teil der Tribüne abbrechen. Aber gemeinsam mit ewl haben wir für alles eine passende Lösung gefunden», sagt Alex Roos. Dies war umso bedeutender, weil die neue Energieversorgung sogar über die Hallengrenzen des Eiszentrums hinauswirkt. «Die überschüssige Abwärme – bis zu 1 Million Kilowattstunden – können wir in den Wintermonaten in unser thermisches Netz in der Umgebung einspeisen. So profitieren auch andere Gebäude davon», erklärt Mike Licini. Rund eine Milliarde Franken investiert ewl in die erneuerbare Wärmeversorgung mit Fernwärme und See-Energie. Das Projekt beim Eiszentrum ist eines von vielen, hat aber durch seine regionale Ausstrahlung und den ersten Einsatz der Propan-Wärmepumpe eine besondere Bedeutung.
Über 1'400 Solarmodule auf dem Hallendach
Neben der neuen Wärmeversorgung hat ewl beim Eiszentrum Luzern auch eine grossflächige Photovoltaikanlage realisiert. «Mit über 1'400 Solarmodulen ist es eine der fünf grössten Anlagen in unserem Versorgungsgebiet», sagt Severin Schenker, Energieberater bei ewl. Die Anlage produziert jährlich rund 600'000 Kilowattstunden erneuerbaren Strom. Genug, um etwa 115 Haushalte à vier Personen zu versorgen. Der grösste Teil des Stroms wird aber direkt im Eiszentrum verwendet, etwa für die Kälteanlagen, die Pumpen oder die Gebäudeautomation. Umgesetzt wurde das Projekt im Contracting-Modell (siehe Box).
Contracting als Win-Win-Lösung
Beim Contracting-Modell kümmert sich ewl um die Planung, Finanzierung, den Bau und um den Unterhalt der Anlage. Das Eiszentrum wiederum bezieht den Strom während eines bestimmten Zeitraums zu vertraglich festgelegten Konditionen. «Contracting ist eine Win-Win-Lösung. Der Kunde erhält eine leistungsstarke Anlage ohne Investitionskosten, und wir profitieren von lokalem, nachhaltigem Strom», sagt Severin Schenker, Energieberater bei ewl. Auch für das Eiszentrum ist dieses Modell ideal, wie Alex Roos, Leiter Betrieb und Anlagen, ergänzt: «Wir haben keinen Aufwand und brauchen auch keine technischen Kenntnisse. Gleichzeitig profitieren wir von tieferen Energiekosten und sind unabhängiger von den schwankenden Strompreisen.»
Wichtiger Beitrag für den Klimaschutz
Die neue Wärmeversorgung und die Photovoltaikanlage bilden zusammen eine moderne, nachhaltige und zukunftssichere Energielösung für eine der wichtigsten Sportinfrastrukturen der Region. «Wir setzen mit dieser Lösung stärker auf erneuerbare Energien und reduzieren den CO₂-Ausstoss. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag für den Klimaschutz», sagt Matthias Felder, Verwaltungsratsmitglied des Regionalen Eiszentrums Luzern. «Die Energiezentrale und die Photovoltaikanlage machen uns fit bis 2050 und wir sind damit ein Vorbild für regionale Sport- und Freizeitanlagen.»
Für ewl ist das Projekt ein weiteres Beispiel dafür, wie nachhaltige Energieversorgung konkret aussehen kann und wie auch die Kundinnen und Kunden davon profitieren. Mit der neuen Lösung steckt nun noch mehr Energie im Eiszentrum Luzern – und zwar erneuerbare, lokal erzeugte Energie.