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Gasversorgung

aktuelle Lage in der Schweiz

Die Versorgungssicherheit mit Gas ist im Moment nach wie vor stabil. Die Lage an den Energiebörsen hat sich jedoch nochmals drastisch zugespitzt. Bis zum 1. November sollen die notwendigen Reserven in den Gasspeichern verfügbar sein und die Befüllung der Gasspeicher läuft auf Hochtouren. Die Schweizer Gaswirtschaft beschafft Gas auf den Märkten in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Italien. Wenn in diesen Ländern zu wenig Gas vorhanden ist, könnte das auch in der Schweiz zu Versorgungsengpässen führen. Wir halten Sie auf dem Laufenden und beantworten die wichtigsten Fragen:

Häufige Fragen

Lage Gasversorgung und allfällige Mangellage

Die Versorgungssicherheit mit Gas ist im Moment stabil, auch wenn die Preise in den vergangenen Wochen sehr stark gestiegen sind. Es ist zwar nicht auszuschliessen, dass Russland die Gaslieferungen nach Europa weiter zurückfährt, die betroffenen europäischen Länder können jedoch im Moment die ausfallenden Gasmengen anderweitig am Markt beschaffen.

Dennoch bleibt die Lage angespannt. Die Schweizer Gaswirtschaft beschafft das Gas auf den Märkten in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Italien. Wenn in diesen Ländern zu wenig Gas vorhanden ist, könnte das auch in der Schweiz zu Versorgungsengpässen führen. ewl steht in direktem Kontakt mit dem Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung, dem Verband der Schweizerischen Gasindustrie und anderen regionalen Erdgasversorgungsunternehmen. Wir arbeiten dort mit, um die Lage laufend zu beurteilen und Szenarien auszuarbeiten.

Auf die Versorgungssicherheit der Kundinnen und Kunden von ewl mit Gas haben die aktuellen Entwicklungen momentan keinen Einfluss. Gemäss dem Verband der Schweizerischen Gasindustrie (VSG) ist die physische Versorgung der Schweiz mit Gas gegenwärtig nicht beeinträchtigt. Wie sich die Lage weiterentwickelt, ist jedoch schwer voraussehbar und die Situation kann sich rasch ändern.

Es gilt nun insbesondere, die Versorgung für den Winter 2022/23 sicherzustellen. Ausserordentliche Beschaffungen können die Gasunternehmen jedoch nur gemeinsam tätigen. Dies war der Branche bis anhin nicht erlaubt, weil das Kartellrecht solche Absprachen untersagt. Mit dem Entscheid vom Bundesrat Anfang März 2022 wurde dies nun geändert und die Gaswirtschaft kann die Beschaffung für den kommenden Winter gemeinsam angehen. Konkret geht es um die Beschaffung von Gas, Gasspeicherkapazitäten, Flüssiggas (LNG) und Terminalkapazitäten für Flüssiggas. Die Schweiz verfügt zudem seit 2017 auf der Transitleitung über einen Reverse-Flow. Dies bedeutet, dass Gas auch von Süden nach Norden transportiert werden kann, was weitere Möglichkeiten für die Gasbeschaffung eröffnet.

Mit der am 18. Mai 2022 verabschiedeten Verordnung hat der Bundesrat die regionalen Gasnetzbetreiber dazu verpflichtet, eine Gasreserve einzurichten:

  • Physische Reserve: 15 Prozent (rund 6 TWh) des inländischen Jahresverbrauchs (35 TWh) müssen in den Nachbarländern gelagert werden. Diese müssen bis spätestens 1. November 2022 verfügbar sein.
  • Optionen für zusätzliche Gaslieferungen: 20 Prozent (6 TWh) des Schweizer Winterverbrauchs sollen in Frankreich, Deutschland, Italien und in den Niederlanden in Form von Optionen für nicht-russisches Gas erworben werden und bei Bedarf kurzfristig abgerufen werden können.

Momentan ist es sehr schwierig, eine Prognose abgeben zu können. Wir müssen aber davon ausgehen, dass sich die Preise noch über einen längeren Zeitraum auf dem aktuell sehr hohen Niveau bewegen werden. Durch die Lieferverknappung von Russland wird das Angebot kleiner. Dies hat zur Folge, dass die nach wie vor hohe Nachfrage aus Europa anderweitig gedeckt werden muss, was wiederum die Preise negativ beeinflusst. Einerseits hat die Lieferung und Einspeisung von Flüssiggas (LNG) ins europäische Netz in den letzten Monaten stark zugenommen. Anderseits helfen Gasspeicher, gewisse Engpässe zu glätten. Damit die Speicherstände bis zum kommenden Winter 2022/23 gefüllt werden können, ist mit einer konstant hohen Nachfrage zu rechnen.

Falls in der Schweiz eine Mangellage eintreten würde, die von der Gasbranche nicht mehr mit marktwirtschaftlichen Lösungen behoben werden kann, trifft die wirtschaftliche Landesversorgung die notwendigen Bewirtschaftungsmassnahmen. Zunächst würde der Bund mittels Sparappellen die Konsumentinnen und Konsumenten aufrufen, den Gasverbrauch freiwillig zu reduzieren. Gleichzeitig müssten Firmen mit Zweistoffanlagen auf Heizöl umstellen. In einer zweiten Stufe würde es zu Kontingentierungsmassnahmen bei Anlagen kommen, die nicht zu den sogenannten geschützten Verbrauchern zählen. Zu den geschützten Verbrauchern gehören Privathaushalte und grundlegende soziale Dienste wie Spitäler, Energie- und Wasserversorgung sowie Blaulichtorganisationen. Erst in einer dritten Stufe wären auch die privaten Haushalte betroffen und müssten ihren Gasverbrauch reduzieren.

Gasbeschaffung und Speicherstände

Es gibt in der Schweiz Gasspeicher, diese sind aber klein und dienen dem Tagesausgleich. In der Schweiz Gasspeicher zu bauen, ist technisch sehr anspruchsvoll und auch teuer. Wenn die Schweiz jedoch stärker unabhängig werden will, ergibt ein grosser Speicher auch in der Schweiz Sinn. Die Branche wird das Thema nun verstärkt einbringen.

Bei LNG (Liquified Natural Gas) wird Erdgas auf -163°C abgekühlt, wodurch es flüssig wird. Das Volumen von LNG beträgt weniger als 0.2 Prozent des Gasvolumens, sodass es effizient und mit einer hohen Energiedichte transportiert werden kann. LNG wird mit Tankschiffen transportiert. Diese werden in speziellen Anlagen entladen. Danach wird das verflüssigte Erdgas wieder in den gasförmigen Zustand gebracht und ins Leitungsnetz eingespeist. Dieses Verfahren ermöglicht den Transport über weite Distanzen und aus Fördergebieten, die nicht ans internationale Transportnetz angeschlossen sind. Wichtige Lieferanten sind Katar, USA, Australien, Norwegen, Nigeria oder Algerien. In Europa bestehen knapp 40 Entladungs-Terminals, untern anderem in Spanien, Frankreich, Italien, Belgien und in den Niederlanden. Die deutsche Regierung hat bekanntgegeben, zwei LNG-Terminals in Deutschland zu bauen.

Erdgas und Herkunft

Die Schweizer Gaswirtschaft und somit auch ewl kaufen das Erdgas direkt und primär auf den Märkten in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Italien. Auf den Liefermix der jeweiligen Vorlieferanten hat die Schweizer Gaswirtschaft keinen Einfluss. Die Schweiz importierte 2021 zu 43 Prozent Gas aus Russland, 22 Prozent aus Norwegen, 19 Prozent aus der EU und 16 Prozent aus anderen Ländern. Auf den Liefermix in der Zentralschweiz kann ewl keinen Einfluss nehmen. Bezüglich der Herkunftsdeklaration für das Jahr 2022 sind noch keine verifizierten Daten verfügbar.

Anders als im Strombereich gibt es weder für Biogas noch für fossiles Gas ein international anerkanntes und umfassendes Herkunftsnachweissystem, das zeigt, woher das Gas kommt. Ein solches Herkunftsnachweissystem wäre jedoch nötig, um Liefereinschränkungen durchzusetzen. Aktuell sind Energielieferungen von den Sanktionen ausgeschlossen. Ein allfälliges Handelsverbot von russischem Gas müsste durch die EU angeordnet werden.

ewl fokussiert sich jedoch schon lange auf die Abkehr von importierten, nicht nachhaltigen Energieträgern. Dies nicht erst seit Kriegsausbruch in der Ukraine, sondern auch im Rahmen des Klimaschutzes. Dazu setzt ewl konsequent auf die Förderung nachhaltiger Energieträger, um fossile Energieträger Schritt für Schritt abzulösen. Beispielsweise mit regionaler Fernwärme und See-Energie sowie Biogas, die nicht aus dem Ausland importiert werden müssen. Im Sommer 2021 hat ewl in ihrer Strategie erneuerbare Wärme ausserdem festgehalten, dass in der Stadt Luzern der Ausbau der Wärmenetze unter Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit beschleunigt werden soll.

Die Abkehr von importierten, nicht nachhaltigen Energieträgern ist zentral. Dies nicht erst seit Kriegsausbruch in der Ukraine, sondern auch im Rahmen des Klimaschutzes. Dazu setzt ewl konsequent auf die Förderung nachhaltiger Energieträger, um fossile Energieträger Schritt für Schritt abzulösen. Beispielweise mit regionaler Fernwärme und See-Energie sowie Biogas, die nicht aus dem Ausland importiert werden müssen.

Im Sommer 2021 hat ewl in ihrer Strategie erneuerbare Wärme folgende vier Stossrichtungen festgehalten: In der Stadt Luzern soll der Ausbau der Wärmenetze unter Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit beschleunigt werden. Die Gasinfrastruktur wird auf die neuen Gegebenheiten adaptiert und die Beschaffung von erneuerbaren Gasen wird gefördert. Darüber hinaus positioniert sich ewl weiterhin als kompetente Dekarbonisierungspartnerin für Gemeinden, Grossprojekte und die Industrie.

Biogas und erneuerbare Gase

Bei ewl haben Sie die Möglichkeit, Ihr Gasprodukt mit Luzerner Biogas-Zertifikaten aufzuwerten. Für jede Kilowattstunde Biogas, welche ins Gasnetz eingespeist wird, darf der Produzent ein Biogas-Zertifikat verkaufen. Durch den Kauf dieser Zertifikate tragen Sie somit aktiv bei, dass längerfristig mehr Biogas ins nationale und internationale Gasnetz eingespeist wird. Dies führt zu einer Ökologisierung des Gasmixes im Gasnetz und reduziert die Einspeisung von fossilem und somit auch russischem Gas. Kurzfristig betrachtet, beziehen Sie physisch nach wie vor denselben Gasmix. Beim Biogas-Zertifikatshandel existiert ein Herkunftsnachweissystem. Nehmen Sie für eine Preisanfrage und weitere Informationen mit uns Kontakt auf.

Unser Standardprodukt ewl Mixgas ist mit 5 Prozent regionalen Biogas-Zertifikaten und 15 Prozent europäischen Biogas-Zertifikaten aufgewertet.

Die europäischen Zertifikate stammt aus Biogasanlagen, welche gemäss den Vorgaben des Verbands der Schweizer Gasindustrie (VSG) produzieren. Das Biogas wird ausschliesslich aus biologischen Abfällen produziert und direkt ins Gasnetz eingespeist.

Die regionalen Biogas-Zertifikate bezieht ewl aus zwei Anlagen in der Region: der ARA Region Luzern in Emmen und der SwissFarmerPower SFPI in Inwil. In der Anlage der SFPI wird aus biogenen Reststoffen aus Landwirtschaft, Industrie und Gewerbe sowie Haushalten Biogas gewonnen. Dieses wird gereinigt und in das lokale Gasnetz eingespeist.

Die gegenwärtige Krise dürfte das Tempo bei der Förderung von erneuerbaren Gasen, insbesondere von grünem Wasserstoff, beschleunigen, in der Schweiz wie auch in anderen Ländern Europas. Erneuerbare Gase spielen nicht nur für den Klimaschutz, sondern auch für die Versorgungssicherheit eine wichtige Rolle. Um die Produktion und Nutzung erneuerbarer Gase in der Schweiz ausbauen zu können, braucht es jedoch bessere Rahmenbedingungen. Dabei geht es primär darum, erneuerbare Gase durch Investitionsbeiträge oder Einspeisebeiträge zu fördern. Noch immer wird lediglich die Stromproduktion aus Biogas unterstützt, was für die Gasversorgung keinen Nutzen bringt. Auch in den kantonalen Energiegesetzen müssen die Rahmenbedingungen so ausgestaltet sein, dass Biogas als erneuerbare Energie anerkannt wird. Im Weiteren wird importiertes Biogas vom Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit nach wie vor als Erdgas behandelt. Es braucht rasch ein nationales Register für Herkunftsnachweise für erneuerbare Gase, das mit anderen Ländern vernetzt werden kann, sowie klare Regeln für den Import.