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Gasversorgung

aktuelle Lage in der Schweiz

Aktuell ist in der Schweiz genügend Gas vorhanden. Wegen des Ukrainekrieges und der damit verbundenen unsicheren Versorgungslage stellt sich für die Gaswirtschaft jedoch die Herausforderung, die Gasversorgung für den kommenden Winter sicher zu stellen. Wir halten Sie auf dem Laufenden und beantworten die wichtigsten Fragen:

Häufige Fragen

Auf die Versorgungssicherheit der Kundinnen und Kunden von ewl mit Gas haben die aktuellen Entwicklungen momentan keinen Einfluss. Gemäss dem Verband der Schweizerischen Gasindustrie (VSG) ist die physische Versorgung der Schweiz mit Gas gegenwärtig nicht beeinträchtigt. Wie sich die Lage weiterentwickelt, ist jedoch schwer voraussehbar und die Situation kann sich rasch ändern.

Es gilt nun insbesondere, die Versorgung für den Winter 2022/23 sicherzustellen. Ausserordentliche Beschaffungen können die Gasunternehmen jedoch nur gemeinsam tätigen. Dies war der Branche bis anhin nicht erlaubt, weil das Kartellrecht solche Absprachen untersagt. Mit dem Entscheid vom Bundesrat Anfang März 2022 wurde dies nun geändert und die Gaswirtschaft kann die Beschaffung für den kommenden Winter gemeinsam angehen. Konkret geht es um die Beschaffung von Gas, Gasspeicherkapazitäten, Flüssiggas (LNG) und Terminalkapazitäten für Flüssiggas. Mit der im Mai 2022 verabschiedeten Verordnung hat der Bundesrat die regionalen Gasnetzbetreiber dazu verpflichtet, eine Gasreserve einzurichten. So müssen sie 15 Prozent (rund 6 TWh) des inländischen Jahresverbrauchs (35 TWh) in Speicheranlagen in den Nachbarländern lagern. Diese müssen bis spätestens ab 1. November 2022 verfügbar sein.

Die Schweiz verfügt zudem seit 2017 auf der Transitleitung über einen Reverse-Flow. Dies bedeutet, dass Gas auch von Süden nach Norden transportiert werden kann, was weitere Möglichkeiten für die Gasbeschaffung eröffnet.

Falls in der Schweiz eine Mangellage eintreten würde, die von der Gasbranche nicht mehr mit marktwirtschaftlichen Lösungen behoben werden kann, trifft die wirtschaftliche Landesversorgung die notwendigen Bewirtschaftungsmassnahmen. Auf einer ersten Stufe kann der Bund beschliessen, dass Verbraucher mit sogenannten Zweistoff-Anlagen von Erdgas auf Heizöl umstellen. In einem separaten Schritt erfolgen Sparappelle an Gaskonsumenten. Schliesslich kann der Bund in einem Notfall auch anordnen, bestimmte Erdgas-Grossverbraucher mit Einstoff-Anlagen zu kontingentieren, so dass diese ihre Anlagen im Extremfall ganz abschalten müssen.

Es gibt in der Schweiz Gasspeicher, diese sind aber klein und dienen dem Tagesausgleich. In der Schweiz hat es immer wieder Projekte für grosse Gasspeicher gegeben. Aktuell verfolgt Gaznat in Oberwald im Kanton Wallis ein entsprechendes Projekt. Dabei soll festgestellt werden, ob hier untern den Alpen ein Gasreservoir gebaut werden kann. Vier Kavernen sollen es ermöglichen, rund 1'500 Gigawattstunden zu lagern. Oberwald befindet sich einige hundert Meter weit von der Trasse der Gas-Pipeline Transitgas entfernt, die das Schweizer Erdgasnetz mit Deutschland, Frankreich und Italien verbindet. In der Schweiz Gasspeicher zu bauen, ist technisch sehr anspruchsvoll und auch teuer. Wenn die Schweiz jedoch stärker unabhängig werden will, ergibt ein grosser Speicher auch in der Schweiz Sinn.

Bei LNG (Liquified Natural Gas) wird Erdgas auf -163°C abgekühlt, wodurch es flüssig wird. Das Volumen von LNG beträgt weniger als 0.2 Prozent des Gasvolumens, sodass es effizient und mit einer hohen Energiedichte transportiert werden kann. LNG wird mit Tankschiffen transportiert. Diese werden in speziellen Anlagen entladen. Danach wird das verflüssigte Erdgas wieder in den gasförmigen Zustand gebracht und ins Leitungsnetz eingespeist. Dieses Verfahren ermöglicht den Transport über weite Distanzen und aus Fördergebieten, die nicht ans internationale Transportnetz angeschlossen sind. Wichtige Lieferanten sind Katar, USA, Australien, Norwegen, Nigeria oder Algerien. In Europa bestehen knapp 40 Entladungs-Terminals, untern anderem in Spanien, Frankreich, Italien, Belgien und in den Niederlanden. Die deutsche Regierung hat bekanntgegeben, zwei LNG-Terminals in Deutschland zu bauen.

Der Gaspreis steigt bereits seit Sommer 2021, mit dem Kriegsbeginn im Februar hat sich die Lage weiter angespannt. Das weltpolitische Geschehen führt zu enormen Preisschwankungen an den Beschaffungsmärkten. Noch nie waren die Gaspreise so hoch wie jetzt.

Für ewl ist die Versorgungssicherheit und eine langfristige Planungssicherheit für die Kundinnen und Kunden sehr wichtig. Die vorausschauende Beschaffungsstrategie ermöglicht es ihr, die Preisspitzen zu brechen, da ewl lediglich einen Teil der benötigten Gasmenge kurzfristig auf dem Markt einkaufen muss. So muss sie die aktuell massiv hohen Preise nicht vollumfänglich an ihre Kundinnen und Kunden weitergeben. Die deutlich höheren Beschaffungspreise zwingen sie aber, die Gaspreise per 1. Juli 2022 um 2.30 Rappen pro Kilowattstunde anzuheben.

Tatsache ist, dass die deutsche Bundesnetzagentur das Freigabeverfahren für die Inbetriebnahme der Gaspipeline Nord Stream II ausgesetzt hat. Ob die Pipeline je Gas von Russland nach Deutschland liefern wird, ist fragwürdig. Wie Messungen an der Verdichterstation im brandenburgischen Mallnow zeigen, wird seit mehreren Monaten von Russland weniger Gas nach Europa geliefert. Dadurch wird das Angebot knapper. Dies hat zur Folge, dass die nach wie vor hohe Nachfrage aus Europa anderweitig gedeckt werden muss, was wiederum die Preise negativ beeinflusst. Einerseits hat die Lieferung und Einspeisung von Flüssiggas (LNG) ins Europäische Netz in den letzten Monaten stark zugenommen und die künstliche Lieferverknappung aus Russland konnte teilweise kompensiert werden. Andererseits helfen Gasspeicher, gewisse Engpässe zu glätten. Aufgrund des kalten Winters 2020/21 sind die Gasspeicherstände jedoch wesentlich tiefer als normalerweise zu dieser Jahreszeit. Damit die Speicherstände bis zum kommenden Winter 2022/2023 wieder gefüllt werden können, ist mit einer nach wie vor hohen Nachfrage, auch über die Sommermonate, zu rechnen. Es besteht somit eine Wahrscheinlichkeit, dass sich die Preise über einen längeren Zeitraum auf dem aktuell hohen Niveau bewegen werden.

Bei den geplanten Massnahmen geht es im Wesentlichen darum, dass die Branche gemeinsam Erdgas und LNG beschaffen kann, Speicherkapazitäten einkauft oder sich LNG-Terminalkapazitäten sichert. Was das kostet, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt werden. Marktbeobachter gehen grundsätzlich davon aus, dass der Markt volatil und das Preisniveau hoch bleibt.

ewl setzt sich seit Jahren für lokale, erneuerbare Energie ein. Im Sommer 2021 hat ewl in ihrer Strategie erneuerbare Wärme folgende vier Stossrichtungen festgehalten: In der Stadt Luzern soll der Ausbau der Wärmenetze unter Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit beschleunigt werden. Die Gasinfrastruktur wird auf die neuen Gegebenheiten adaptiert und die Beschaffung von erneuerbaren Gasen gefördert. Zudem baut ewl das Fernwärmenetz und den Einsatz von Biogas aus. Darüber hinaus positioniert sich ewl weiterhin als kompetente Dekarbonisierungspartnerin für Gemeinden, Grossprojekte und die Industrie.

Die gegenwärtige Krise dürfte das Tempo bei der Förderung von erneuerbaren Gasen, insbesondere von grünem Wasserstoff, beschleunigen, in der Schweiz wie auch in anderen Ländern Europas. Erneuerbare Gase spielen nicht nur für den Klimaschutz, sondern auch für die Versorgungssicherheit eine wichtige Rolle. Um die Produktion und Nutzung erneuerbarer Gase in der Schweiz ausbauen zu können, braucht es jedoch bessere Rahmenbedingungen. Dabei geht es primär darum, erneuerbare Gase durch Investitionsbeiträge oder Einspeisebeiträge zu fördern. Noch immer wird lediglich die Stromproduktion aus Biogas unterstützt, was für die Gasversorgung keinen Nutzen bringt. Auch in den kantonalen Energiegesetzen müssen die Rahmenbedingungen so ausgestaltet sein, dass Biogas als erneuerbare Energie anerkannt wird. Im Weiteren wird importiertes Biogas vom Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit nach wie vor als Erdgas behandelt. Es braucht rasch ein nationales Register für Herkunftsnachweise für erneuerbare Gase, das mit anderen Ländern vernetzt werden kann, sowie klare Regeln für den Import.

Da die Schweiz über keine wirtschaftlich nutzbaren Gasvorkommen verfügt, wird Erdgas aus dem Ausland importiert. Die Schweiz importierte 2021 zu 43 Prozent Gas aus Russland, 22 Prozent aus Norwegen, 19 Prozent aus der EU und weitere 16 Prozent aus anderen Ländern. (Quelle: Statistik des Verbands der Schweizerischen Gasindustrie). Auf den Liefermix in der Zentralschweiz kann ewl keinen Einfluss nehmen. Bezüglich der Herkunftsdeklaration für das Jahr 2022 sind noch keine verifizierten Daten verfügbar.

Die Schweizer Gaswirtschaft und somit auch ewl kaufen das Gas direkt und primär auf den Märkten in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Italien. Auf den Liefermix der jeweiligen Vorlieferanten hat die Schweizer Gaswirtschaft keinen Einfluss. Anders als im Strombereich gibt es bei fossilem Gas kein anerkanntes und umfassendes Herkunftsnachweissystem, das zeigt, woher das Gas kommt. Ein solches Herkunftsnachweissystem wäre jedoch nötig, um Liefereinschränkungen durchzusetzen. Aktuell sind Energielieferungen von den EU-Sanktionen ausgeschlossen. Ein allfälliges Handelsverbot von russischem Gas müsste durch die EU angeordnet werden.

Bei ewl haben Sie die Möglichkeit, Ihr Gasprodukt mit Luzerner Biogas-Zertifikaten aufzuwerten. Für jede Kilowattstunde Biogas, welche ins Gasnetz eingespeist wird, darf der Produzent ein Biogas-Zertifikat verkaufen. Durch den Kauf dieser Zertifikate tragen Sie somit aktiv bei, dass längerfristig mehr Biogas ins nationale und internationale Gasnetz eingespeist wird. Dies führt zu einer Ökologisierung des Gasmixes im Gasnetz und reduziert die Einspeisung von fossilem und somit auch russischem Gas. Kurzfristig betrachtet, beziehen Sie physisch nach wie vor denselben Gasmix. Beim Biogas-Zertifikatshandel existiert ein Herkunftsnachweissystem. Nehmen Sie für eine Preisanfrage und weitere Informationen mit uns Kontakt auf.