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Bald heizt der See ein

Der Vierwaldstättersee beeindruckt mit seiner Schönheit Besucher aus aller Welt. Doch er kann viel mehr, als nur Herzen erwärmen: Die Gemeinden Horw und Kriens werden bald Wärme aus dem See beziehen. Das ist nachhaltig und umweltschonend.

TEXT: Irene M. Wrabel | FOTOS: Selina Meier | 20.05.2019

Was bei der Stromerzeugung mittlerweile zum Standard gehört, ist in Bezug auf die Wärmegewinnung noch relativ unbekannt: die Nutzung der natürlichen Ressource Wasser. Luzern hat mit dem Vierwaldstättersee ein nahezu unerschöpfliches Reservoir zur Wärmegewinnung direkt vor der Haustür. Und genau dieses Potenzial wird ewl nun in einem Pionierprojekt erschliessen, wie Patrik Rust, Geschäftsleitungsmitglied bei ewl, erläutert: «Wir nutzen das Wasser aus der Horwerbucht des Vierwaldstättersees, um Gebäude zu heizen und zu kühlen.» Die erste Phase der Erschliessung umfasst die Gebiete Hochschule Luzern, Horw Mitte, Mattenhof und Schlund, in welchem das neue Quartier Schweighof als erstes 2000-Watt-Areal der Zentralschweiz entsteht. Zur Spitzenabdeckung wird zudem eine Erdgasheizung installiert, sagt Patrik Rust: «Diese garantiert den effizienten Betrieb der Anlage auch an den kältesten Tagen des Jahres und sichert die Wärmeversorgung der angeschlossenen Haushalte und Betriebe im Störfall oder bei Reparaturarbeiten.»


«Wir haben es mit einem sehr nachhaltigen Produkt zu tun, da die Energiequelle direkt vor der Haustür in unbegrenzter Menge vorhanden ist.»

Die See-Energie Anlage wird im Endausbau rund 6’800 Haushalte versorgen. Das entspricht einer Energiemenge von rund 55 Gigawattstunden im Jahr. Möglich wird das durch den Einsatz neuester Technologie, mit der das Seewasser aus rund 40 Metern Tiefe entnommen wird. «Dort herrscht eine konstante Temperatur von rund 5 Grad Celsius», erklärt Rust. «Eine Wasserpumpe fördert das Seewasser in eine Energiezentrale. Dort wird mit einem Wärmetauscher die Wärme an ein separates Energienetz übergeben, und anschliessend fliesst das um 3 Grad abgekühlte Wasser zurück in den See.»


Der See bleibt im Gleichgewicht

Bringt das nicht den See aus seinem natürlichen Gleichgewicht? Patrik Rust weiss, dass diese Bedenken unbegründet sind: «Bevor eine solche Anlage in Planung geht, werden umfassende Gutachten erstellt. Diese zeigen, dass keinerlei Beeinträchtigung des ökologischen Gleichgewichts stattfindet.» In unmittelbarer Austrittsnähe vermischen sich die unterschiedlich warmen Wassermengen nämlich sehr schnell. «Nur wenige Meter vom Austritt beträgt die Temperaturdifferenz weniger als ein halbes Grad.» Hinzu kommt, dass die entnommene Menge im Verhältnis zur gesamten Wassermenge im See verschwindend gering ist. Es werden zukünftig nur 0,333 Prozent der Menge Seewasser genutzt, die laut Eawag, der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, als unbedenklich angegeben wird.


Alles im natürlichen Gleichgewicht

Der Vierwaldstättersee fasst rund 12 Milliarden Kubikmeter Wasser. Laut dem Eidgenössischen Wasserforschungsinstitut Eawag wären pro Jahr bis zu 25 Prozent dieses Volumens – ohne negative Auswirkungen – verwertbar. Davon nutzt ewl im Endausbau lediglich 0,333 Prozent.


Umweltfreundlich kühlen

Im Sommer hingegen leistet die Anlage das Gegenteil: Die angeschlossenen Gebäude können damit umweltfreundlich gekühlt werden. «Besonders im urbanen Gebiet wird das immer wichtiger», sagt Patrik Rust. Das hat damit zu tun, dass in der modernen Architektur zunehmend grosse Glasflächen verbaut werden, die die Erwärmung im Gebäudeinneren verstärken. «Die Kühlung mit Seewasser ist wesentlich umweltfreundlicher als mit herkömmlichen Klimaanlagen. Zwar wird auch dabei Strom verbraucht, aber in viel geringerem Masse, als wenn man Klimageräte einsetzen würde.» Und diese müsste man auch erst einmal produzieren und einbauen. Die Vorteile von See-Energie liegen also auf der Hand, wie Patrik Rust erläutert: «Wir haben es hier mit einem sehr nachhaltigen Produkt zu tun, da die Energiequelle sozusagen direkt vor der Haustüre in unbegrenzter Menge vorhanden ist. Dazu müssen keine weiteren Energieträger beschafft werden.»


Gute Argumente also für den Luzerner Energiedienstleister, um auch zukünftig in diese Technologie zu investieren. Ein weiteres Projekt befindet sich im Herzen der Stadt, beim Bahnhof am Inseliquai. Die dort befindliche Energiezentrale wurde bereits 1984 von SBB und Post gebaut und ist damit die älteste Anlage der Region. Sie beliefert den Bahnhof, das KKL und das umliegende Gebiet mit Wärme. Seit 2016 ist die Zentrale im Besitz von ewl und wird aktuell nach neuestem Stand der Technik saniert und ausgebaut. «Wir können solche Anlagen heute wesentlich leistungsfähiger gestalten als noch vor 35 Jahren», weiss Rust. Eine Investition in die Zukunft, denn der Aufbau des See-Energie Netzes ist eine wichtige Massnahme, um die Energieversorgung ressourcenschonend und umweltverträglich zu gestalten.


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