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Ein Haus mit Charme

Inmitten des ewl Areals steht ein ungeschliffener Rohdiamant: ein Zeitzeuge Luzerner Industriekultur. Bis auf wenige Veränderungen ist das Gebäude bauzeitlich erhalten geblieben. Im Zuge der Überbauung kommt diesem Solitär eine komplett neue Bedeutung zu.

TEXT: Petra Arnold | FOTOS: ewl | 20.05.2019

Das «Rote Haus» erwacht langsam aus seinem jahrzehntelangen Dornröschenschlaf. Seine Bestimmung wird mit der Überbauung ewl Areal überdacht und neu definiert. Die Eigentümer sind sich der Bedeutung und Attraktivität dieses Gebäudes bewusst, welches 1929 von den Architekten Möri & Krebs gebaut wurde.


Schweizer Architekturgeschichte

Möri & Krebs sind die ganz grossen Unbekannten in der Schweizer Architekturgeschichte vor dem Zweiten Weltkrieg, und dies, obwohl sie zwischen 1908 und 1937 mehr als 500 Projekte in der Schweiz und in Europa realisiert haben. Der 1880 in Luzern geborene Architekt Alfred Möri erhielt 1908 den Auftrag zur Sanierung des Hotels Montana. Dieser Auftrag führte zu einer engen Zusammenarbeit mit Karl-Friedrich Krebs aus Biel, was wiederum zur Gründung der Ateliergemeinschaft Möri & Krebs führte.

Am 22. August 1929 bewilligte der Stadtrat Luzern den Bau des Apparategebäudes auf dem damaligen Gaswerkareal Luzern. Das 1899 eröffnete Gaswerkareal ersetzte die erste Gasfabrik an der Sempacherstrasse in Luzern. Das Apparategebäude «Rotes Haus» gehört in die erste Entwicklungsphase des Areals – hier wurden die Gase aufgespaltet und gereinigt. 1966 wurde der Bau in ein Magazingebäude transformiert. Dabei wurden die bauzeitlichen Apparaturen vollständig entfernt.


Pfeiler schützen vor Einsturz

Das Gebäude ist ein industriegeschichtliches Denkmal erster Güte. Nicht nur innen, auch aussen erinnert es mit seinen Pfeilern an einen sakralen Bau. Die konstruktiven Details haben sich aus der Nutzung ergeben. Die Pfeiler hatten die Aufgabe, das Haus vor dem Einsturz zu bewahren, falls die Wassergasspaltung zu einer Explosion geführt hätte. Fenster und Dächer sind so konstruiert, dass diese dem Druck bei einer Explosion sofort nachgeben, um den Einsturz des Gebäudes zu verhindern. Es gehört zu den architektonisch schönen, statisch und funktional gut strukturierten Industriebauten der Schweiz. Ein Gutachten bestätigt den grossen architektonischen und industriearchäologischen Wert des Gebäudes. Architekturgeschichtlich steht das «Rote Haus» zeitlich zwischen den zwei Möri & Krebs-Projekten Hotel Montana und der Lukaskirche.


«Möri & Krebs sind die grossen Unbekannten in der Schweizer Architekturgeschichte.»

In den vergangenen Jahrzehnten entstanden einige Projektideen – von einer Kunstgalerie bis hin zu einem Zentrum für Klettersport. Doch noch steht die Zukunft des «Roten Hauses» in den Sternen. Sicher ist, dass auf dem ewl Areal eine Gemeinschaft aus Wohnen und Arbeiten entsteht und dass das «Rote Haus» erhalten bleibt. Nicht zu unterschätzen ist jedoch der Renovationsbedarf dieses 90-jährigen Gebäudes. Die Renovation muss hohe Qualitätsanforderungen erfüllen, was fachliche Beratung benötigt. Die Industrieparzelle ewl Areal wird in neuem Glanz erstrahlen und definiert die Bauentwicklung der Industriestrasse für die kommenden Jahrzehnte. Das Gleichgewicht zwischen Alt- und Neubauten bleibt an der Industriestrasse erhalten. Unsere Nachbarin, die Kooperation Industriestrasse, hat mit ihrem Projekt «mon oncle» des Berner Architektenteams Rolf Mühlethaler und Christian Schläppi bereits den Auftakt in das neue Zeitalter gemacht. 


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